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Montag, 6. November 2017

Gänseleber mit Tokajergelee - Martini Gans Teil 12 / Martins-Gans / Weihnachtsgans



Ein paar Infos zur Gans/Gänseleber/Gänsestopfleber: Viele regen sich über den Prozess der Gänsestopfleber Herstellung auf und vergessen dabei, dass jährlich von der Entenstopfleber in Stückzahl gerechnet, um den Faktor 10-mal mehr produziert wird. Anscheinend schmeckt die dabei „anfallende“ Entenbrust doch zu gut.

Der Verdauungstrakt der Gänse/Vögel unterscheidet sich zu dem von Säugetieren. Gänse verfügen aufgrund ihrer Nahrungsquellen über einen zahnlosen verhornten Schnabel, der zur Futteraufnahme auf der Weide angepasst ist. Der Magen teilt sich bei Vögeln in der Regel in drei Abteilungen auf: dem Kropf, dem Drüsenmagen und dem Muskelmagen. Der lange Hals/Speiseröhre der Gänse besitzt allerdings keinen Kropf. Durch den hohen Stoffwechsel von Gänsen werden von den Gänsen unter normalen Bedingungen kontinuierlich kleine Mengen an Weidefutter aufgenommen und ein Kropf ist so biologisch nicht erforderlich. Die Nahrung gelangt direkt in den Vor- bzw. Drüsenmagen, dieser gibt wie auch der Dünndarm, die benötigten Enzyme für die Verdauung zu und weicht die Nahrung auf. Der Muskelmagen mahlt mit den im Futter aufgenommenen Steinchen (Grit) die Nahrung klein. Gänse können Fett nur über Eiweißverbindungen (Lipoproteine) aufnehmen und die in den Blinddarmsäcken ansässigen Bakterien fördern die Zelluloseverdauung. Gänse können sich so ausschließlich mit Grünfutter ernähren. 

„Ein Aufzuchtverfahren mit Weidegang scheint gut geeignet zu sein für die Produktion von Gänsen, bei denen die Aufzuchtdauer ohnehin verlängert wird. Auch vom ökonomischen Standpunkt aus war dieses System vorteilhaft, da die gesamten Futterkosten um 37% bei Gantern und um 35 % bei den Gänsen gesenkt werden konnten.“

Untersuchungen der INRA, Nouzilly, Frankreich und der Lehr- und Versuchsbetrieb der Universität Kaposvár, Ungarn ergaben zusätzlich folgende Ergebnisse: „Die höchsten Werte für Körpergewicht beim Schlachtalter und Gänseleber- und Fleischproduktion wurden bei den bis zum Alter von 24 Wochen auf der Weide gehaltenen Gänsen nachgewiesen. Diese Tiere zeigten niedrigere Lipid- und Triglyceridgehalte im Brustmuskel sowie einen höheren Anteil mehrfach ungesättigter Fettsäuren auf. Dadurch wurde das Fleisch als weniger saftig und weniger weich beurteilt und zeigte einen weniger ausgeprägten Geschmack als bei den intensiv gehaltenen Gänsen. Es war fester, faseriger, dunkler und roter. Das Fütterungssystem hatte keinen signifikanten Einfluß auf Muskelfasergrösse, pH-Wert post mortem und Tropfsaftverlust des Brustfleisches.“ Was aus wirtschaftlichen Gründen leider für die Mast spricht und nicht für das vermutliche Tierwohl. Es wurden keine Geschmacksbewertungen vorgenommen.

Bezüglich der Intensivmast: „Zum Stopfen wurden die Gänse in sogenannte Stopfkäfige umgesetzt (4 Gänse pro Käfig; Größe: 100 cm lang, 55 cm hoch, 76 cm breit). Das Stopfen wurde 18 Tage lang täglich zweimal (Hauptstopfen und Nachstopfen) mit mobilen, hydraulischen Stopfgeräten durchgeführt. Es wurde eine Weichgrießmischung aus Körnermais, Stopffutter und Wasser verabreicht. Die Futterportionen zum Stopfen wurden täglich erhöht, aber alle Gänse erhielten die gleiche Futtermenge.

Nach den 18 Tagen Stopfen wurden ein Teil der Ganter und Gänse am 19. Tag geschlachtet. Das Herausnehmen der Leber und deren Klassifizierung erfolgten am darauf folgenden Tag laut den Vorschriften des Ungarischen Lebensmittelgesetzbuches.“ Ganter entwickelten durchschnittlich 20 % mehr Lebergewicht als Gänse und erstaunlich, eine Nudelmast von 3 Wochen lieferte bessere Ergebnisse in puncto Lebergewicht als die über 5 Wochen einer Vergleichsgruppe! Bester Ergebnisse lieferte eine in den 3 Wochen kontinuierliche Abnahme der Futteraufnahmezeit von zwei Stunden auf zuletzt 30 Minuten.

Zitate/Auszüge/Quelle: Archiv für Geflügelkunde / Universität Hohenheim


Noch ein Hinweis:

Bei dem in den Innereien enthaltene Magen bei Gänsen handelt es sich um den Muskelmagen (Gésier).

Die Geflügelbrühe ist neben dem Tokajer mit entscheidend für den Geschmack des Tokajergelees, daher am besten zwei Tage vorher selber ansetzen und zubereiten. 

Zur Martini- / Weihnachtsgans siehe auch:
Teil 1: Martini Gans / Niedertemperatur
Teil 2: Rillettes
Teil 5: Gänse Sauce











Gänseleber mit Tokajergelee
Martini Gans Teil 12 / Martins-Gans / Weihnachtsgans
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Zutaten für 4 Personen:

250 g Gänseleber, ganz, helle Farbe, pariert
120 ml Geflügelbrühe, ausgezeichnete Qualität, schwach gesalzen
60+60 ml Tokaji Aszú, mindestens 3 besser 5 Puttonyos/Buttig
2 Blätter Gelatine
Meersalz und weißer Penja Pfeffer aus der Mühle
Aprikosen-Tokajer Chutney, nach Gusto




Zubereitung Vortagtag/-abend:

Wegen der besseren Qualität wenn möglich, die Geflügelbrühe ohne Salz selber zubereiten.

Die Gänseleber parieren. Dazu wenn nötig häuten und mit der gewölbteb Seite nach unten, am natürlichen Spalt von Hand vorsichtig leicht auseinander ziehen und die Äderchen und Sehnen ebenfalls von Hand entfernen/heraus ziehen. Nicht mit dem Messer heraus schneiden. So an allen Spalten verfahren.

Gänseleber salzen und pfeffern und in einen Gefrierbeutel geben und mit der Hälfte des Tokajers begießen. Gefrierbeutel so verschließen, dass die Gänseleber vollständig mit Tokajer bedeckt ist und über Nacht im Kühlschrank rasten lassen.

Die Hälfte des Tokajers in einem Topf erwärmen. Die Gelatine einweichen, ausdrücken und zum Tokajer geben und vollständig auflösen, restlichen Tokajer und Geflügelbrühe zugeben. In eine eckige Schale 1 Zentimeter hoch eingießen, kalt stellen und erstarren lassen.




Zubereitung:

Die Eingelegte Gänseleber in eine Form mit Deckel geben. In eine Reine stellen und diese 2 Zentimeter hoch mit Wasser füllen und die Gänseleber für 2 Stunden im Backrohr 70° C Umluft ziehen lassen.

Gänseleber abkühlen lassen und dann für mindestens zwei Stunden kalt stellen. Tokajergelee in kleine Würfel schneiden und ebenfalls kalt stellen.

Zum Anrichten die Gänseleber in maximal 1 Zentimeter breite Streifen schneiden und mit Tokajerwürfeln servieren. Dazu passt ebenfalls ein mit Tokajer aromatisiertes Aprikosen Chutney.








Sonntag, 5. November 2017

Crème Brûlée von der Gänseleber - Martini Gans Teil 11 / Martins-Gans / Weihnachtsgans



Wer den Aufwand nicht scheut, drappiert auf die Gänseleber Crème Brulée noch kandierte Sellerie Julienne. Dazu aus dem Knollensellerie eine Tasse locker gehäufte Julienne reißen. Eine Tasse Kristallzucker mit einer Tasse Wasser auflösen, aufkochen und die Sellerie-Julienne zusammen mit einem Spritzer Limettensaft und einem Sternanis dazugeben. Einmal aufkochen und vom Herd ziehen, Deckel aufsetzten und bis zum nächsten Tag bei Zimmertemperatur rasten lassen, so dass die Julienne vollständig bedeckt sind. Am nächsten Tag erneut aufkochen und wieder mit geschlossenem Deckel bei Zimmertemperatur bis zum nächsten Tag rasten lassen. Am dritten Tag den Vorgang erneut wiederholen. Julienne aus dem verbliebenen Läuterzucker nehmen und abtropfen lassen, zu kleinen Häufchen formen und mit einer kleinen Kerbelspitze auf die Crème Brulée setzen.

Das Rezept für den Brioche Teig siehe hier.








Crème Brûlée von der Gänseleber 
Martini Gans Teil 11 / Martins-Gans / Weihnachtsgans
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Zutaten für 4 Personen:

80+80 g Gänseleber oder zur Not feine Gänseleberpastete
100 ml Geflügelfond, salzarm
125 ml Tokaji Aszú (kein Furmint) oder Sauternes, edelsüß
1 Hühnerei, Klasse M
3 Eidotter/-gelb vom Hühnerei, Klasse M
2 Gewürznelken
125 ml Schlagrahm, zimmerwarm
25 ml Vollmilch, 3.5% Fett
Meersalz und schwarzer Langpfeffer, frisch gerieben oder gemörsert
2 EL Süßrahmbutter
2+4 TL brauner Rohrzucker, fein
Wasser



Küchenutensilien:

Simmertopf
Stabmixer
Reine
4 Timbaleförmchen oder Mini Weckgläser, gefettet




Zubereitung:

Die Gänseleber waschen, trocken tupfen und sorgfältig parieren, anschließend in kleine Stücke schneiden.

Den Geflügelfond auf die Hälfte einkochen. Timbaleförmchen fetten und leicht mit Zucker ausstreuen.

Die Hälfte der Gänseleber (bei Pastete komplett), reduzierten Geflügelfond, Tokajer und das Hühnerei mit einem Eigelb miteinander versprudeln und mit dem Mixstab pürieren. Masse mit den Gewürznelken in eine Schüssel im Wasserbad oder in einen Simmertopf geben, den Schlagrahm unterheben und nicht kochend zur Rose abziehen.

Backrohr auf 90° C, Ober- und Unterhitze vorheizen.

Gewürznelken entfernen und die Masse durch ein feines Sieb passieren, restliches Eigelb versprudeln und mit der anderen Hälfte der Gänseleberwürfeln mit der Masse vermischen, mit Salz und Pfeffer würzen und in kleine gefettete Timbaleförmchen füllen. Eine Reine mit heißem Wasser ca. 2 Zentimeter auffüllen und die Timbaleförmchen hineinstellen. Für eine Stunde im Backrohr auf der unteren Schiene im Wasserbad stocken lassen.

Förmchen aus dem Backrohr nehmen und auskühlen lassen. Mit feinem braunen Rohrzucker bestreuen und mit einer Gasflamme durch abflämmen dünn karamellisieren.

Zusammen mit einem kleinem lauwarmen Rosmarin-Brioche anrichten und servieren!